Erneut geht das „Gerücht“ einer bevorstehenden umfangreichen Räumung im Hambacher Forst um. Ich frage mich nur, zu welchem Zweck? Ja, es mag rechtlich grenzwertig sein, in einem Baumhaus im Hambacher Forst zu leben – doch – ganz ehrlich – wen stört es, außer die Geschäftsführung von RWE, die vielleicht doch noch auf eine baldige Rodung hofft und deshalb vorher alles „sauber“ haben möchte, um schnell vollendete Tatsachen schaffen zu können. Die Sorge von Herrn Reul um die Gesundheit der Waldbewohner/innen wegen einer Unfallgefahr glaubt doch niemand.

Sollten die Millionen Euro, die ein solcher Einsatz kostet, nicht vielmehr in andere, wirklich wichtige Projekte gesteckt werden? Ich denke z.B. an die Sanierung von Schulen, das Schaffen von bezahlbarem Wohnraum, kostenlosem ÖPNV usw.  Die Liste ist unendlich lang und es muss uns verdammt gut gehen, wenn Herr Reul und Herr Laschet Millionen Steuergelder im Wald verbraten. Das Geschmäckle Schützenhilfe für RWE zu leisten, kommt noch hinzu.

Außerdem kann ich mir gut vorstellen, dass die Motivation der Polizeibeamten/innen mittlerweile gegen Null geht, wenn sie erneut in den Hambacher Wald geschickt werden und es ist nachvollziehbar, wenn dieser Frust auch auf dem Rücken der Aktivisti ausgetragen wird – sprich – die Polizei wird sicher nicht mit Wattebällchen werfen. Sie wollen endlich fertig werden und Gewalt wird wieder ein großes Thema sein. Und Herr Reul und Herr Laschet sitzen weit weg in Düsseldorf und ordnen an  und schauen zu.

Ich denke, es ist an der Zeit, dass vielleicht auch die Polizei die Notwendigkeit dieser „never ending story“ überdenkt und sich organisiert. Es ist doch klar, dass nach der Räumung wieder vor der Räumung sein wird. Es werden wieder neue Baumhäuser gebaut … es wird wieder geräumt und wirklich wichtige „Baustellen“ bleiben liegen. Es kann nicht sein, dass die Polizei sich vor diesen Karren spannen lässt. Herr Reul hat mit den Menschen im Hambacher Wald sein persönliches Feindbild gefunden und missbraucht die Polizei, um sich auszuleben und seine „Macht“ zu präsentieren. Erinnert mich fast schon an Donald Trump mit seiner Mauer zu Mexiko.

Ich höre immer wieder, dass Polizisten den „falschen“ Beruf gewählt haben. Dem möchte ich widersprechen. Wenn man ein Kind nach seinem Berufswunsch fragt und es antwortet: „Polizist“, meint es nicht damit, friedliche Menschen aus einem Wald zu vertreiben, sondern „böse“ Räuber zu fangen und schwache Menschen zu beschützen. So war es jedenfalls zu „meiner“ Zeit.

Ich kann nur hoffen, dass auch bei der Polizei ein Umdenken stattfindet. Ein einzelner Beamter kann nichts bewirken, doch wenn eine ganze Hundertschaft den Dienst verweigert, wäre das ein wichtiger Schritt. Begründen können sie es mit §2 des Polizeigesetzes:

Grundsatz der Verhältnismäßigkeit

(1) Von mehreren möglichen und geeigneten Maßnahmen hat die Polizei diejenige zu treffen, die den Einzelnen und die Allgemeinheit voraussichtlich am wenigsten beeinträchtigt.

(2) Eine Maßnahme darf nicht zu einem Nachteil führen, der zu dem erstrebten Erfolg erkennbar außer Verhältnis steht.

(3) Eine Maßnahme ist nur solange zulässig, bis ihr Zweck erreicht ist oder sich zeigt, dass er nicht erreicht werden kann.

Dass Herr Laschet oder Herr Reul noch rechtzeitig kapieren, dass wir beim Klimawandel keine Zeit haben, bis alle ihre Schäfchen im Trockenen haben, glaube ich nicht mehr.