Muttis Block

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt. (Gandhi)

Ein fader Beigeschmack

Auch wenn viele meine Meinung nicht teilen werden, möchte ich sie trotzdem los werden, in der Hoffnung, dass sie doch den ein oder anderen zum Nachdenken anregen möge.

Es gibt viele unterschiedliche Menschen und Aktionen, die für den Erhalt des Hambacher Waldes und den Braunkohleausstieg kämpfen. Da gibt es die friedlichen Waldbewohner, die militanten Waldbewohner, die Omis, die Socken und Schals für die Hambis stricken, die vielen Menschen, die mit ihren Kindern zu den Waldspaziergängen und Demos kommen, die Menschen an der Mahnwache, im Hambi Camp, die vielen Supporter, die immer wieder mal in den Wald fahren, um die Bewohner*innen mit allem Möglichem zu versorgen und die großen Organisationen. Alle haben das gleiche Ziel und setzen unterschiedliche Mittel ein, um dieses zu erreichen.

Seit den Weihnachtstagen, wo Molotow Cocktails geworfen wurden, gibt es reichlich unterschiedliche Meinungen, die besonders in den sozialen Medien verbreitet werden. Es herrscht Uneinigkeit und Unsicherheit bei Vielen.

Ich habe es so verstanden, dass die Lebensweise der Menschen im Wald jedem das Recht einräumt, so zu handeln, wie er es für richtig hält. Ein guter Plan. Nur scheint jetzt ein Zeitpunkt gekommen zu sein, wo man doch Stellung beziehen sollte. Es macht mich sehr traurig und unsicher auf der offiziellen Hambi-Seite (hambacherforst.org) zu lesen, dass der Einsatz von Molotow-Cocktails ein Mittel des Widerstands sei. Sorry, aber das kann ich nicht wirklich unterstützen. Ja, es hat von Anfang an Menschen auch im Hambi gegeben, die Gewalt für ein probates Mittel halten. Das weiß ich spätestens seit einer Rede von einem Aktivisti beim Waldspaziergang. Trotzdem stehe ich nach wie vor hinter all den Menschen, die sich friedlich verhalten (wobei ziviler Ungehorsam für mich auch zu friedlichen Aktionen zählt). Wenn aber gezielt Menschen angegriffen und gefährdet werden, hört für mich der Spaß auf.

Ja, das System im Wald erlaubt jedem das zu tun, was er möchte. Doch dann ist in meinem Augen etwas falsch an dem System. Wenn es tatsächlich eine Minderheit ist, die es den anderen nicht erlaubt, sich von deren Handeln zu distanzieren, oder sie in eine andere Ecke des Waldes zu schicken, schadet das Allen – nicht nur den paar Steinewerfern.

Die Bürgis stehen auf der Seite des friedlichen Widerstands und die nächste Räumung wird – gerade auch nach den Vorkommnissen an den Weihnachtstagen – kommen. Wenn die Bürgis aber davon ausgehen müssen, dass Gewalt von allen Waldbewohner*innen geduldet wird, werden sie weg bleiben, RWE und Herr Reul werden sich ins Fäustchen lachen und dabei zusehen, wie sich der Widerstand selbst zerlegt. Das kann es doch nicht sein.

Ich werde zunächst weiter darauf bauen, dass ich die „Guten“ unterstütze und meinen Beitrag leisten, leider momentan noch mit einem faden Beigeschmack.

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