Ich habe die Dienstagsausausgabe Ihrer Zeitung bewusst abgewartet, weil ich die Hoffnung auf eine ausgewogene Berichterstattung der Aachener Nachrichten noch nicht ganz abgelegt habe. Schließlich wird ja jeder kleinste Vorfall rund um den Hambacher Forst in der Zeitung thematisiert. Umso verwunderter war ich, dass die Regenbogenaktion vom 29. April mit keinem Wort weder in der Montags- noch in der Dienstagsausgabe erwähnt wurde. Kann das damit zusammenhängen, dass ca. 300 Menschen aller Altersgruppen absolut friedlich an der Rodungskante demonstriert haben und es zu keinen gewalttätigen Ausschreitungen gekommen ist? Viele Menschen waren mit dem Fahrrad aus Aachen und Köln gekommen, um gegen die weitere Rodung des Hambacher Forstes und die Energiepolitik von RWE zu demonstrieren. Die Aktuelle Stunde des WDR brachte abends einen Filmbeitrag über diese Aktion, im WDR Rundfunk wurde ebenfalls zeitnah berichtet, nur in der hiesigen Lokalpresse ist kein Wort davon zu finden. Das schürt wieder den Gedanken, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Wie häufig liest man in Ihrer Zeitung Artikel, die (unter dem Deckmäntelchen des Zitats) mit fragwürdigen, reißerischen Ausdrücken überschrieben sind? Ich erinnere mich an die Schlagzeile über die „Terroristen im Hambacher Forst“. Nun, ich habe diese Menschen auch am vergangenen Sonntag wieder ganz anders kennen gelernt und erwarte von meiner Zeitung, dass sie beide Seiten betrachtet und auch eine Schlagzeile bringt, wie „Friedlicher Protest im Hambacher Forst“. Sonst kommt bei mir der Verdacht auf, dass bewusst ein bestimmtes, negatives Bild in der Bevölkerung erzeugt werden soll.

Meine letzten Leserbriefe haben Sie geflissentlich ignoriert und ich bin mächtig gespannt, ob es dieser noch einmal in die Zeitung schafft, die Begriffe „Zensur“ und „gezielte Manipulation der Leserschaft“ drängen sich mir schon länger auf.

Ich bin weder radikal, noch Befürworter der Anarchie, sondern ein ganz normaler Durchschnittsbürger und Anhänger des friedlichen, gewaltfreien Widerstands, der aber langsam den Glauben daran verliert, dass es der Staat schon richten wird. Wenn es niemals Widerstand gegeben hätte, würde Indien noch von England regiert und die Mauer würde auch noch stehen.